GESCHICHTE DES KLAVIERHAUSES FIEDLER

 

Am 11. Februar 1815 wurde der Firmengründer Franz Fiedler in Oberbaumgarten/Mähren geboren. Als Lehrer und Organist 1841 nach "Grätz" gekommen, gelang es ihm 1848, „Franz Fiedler’s Pianoforte-Handlung und Leihanstalt“ zu gründen.

 

Kurze Zeit später, 1857, vertraute ihm Ignaz Bösendorfer den exklusiven Handel mit seinen Instrumenten an. Durch die fachliche Kompetenz Franz Fiedlers wurde ihm zusätzlich die Betreuung der Bösendorfer Konzertflügel übertragen.

Neben der persönlichen Freundschaft zu Ignaz Bösendorfer entwickelten sich auch weitere Bekanntschaften zu Pianisten dieser Zeit, die wiederum dem Ruf des Hauses Fiedler zugute kamen.

Aber auch kleine Missverständnisse waren rufstärkend: Anlässlich eines ihrer Konzerte wohnte Clara Wieck, Freundin von Franz Fiedlers Frau Auguste im Hause Fiedler. Als sie eines Tages von einem jungen Mann Besuch bekam, begrüßten ihn die Kinder des Hauses als den neuen Klavierstimmer.

Tatsächlich handelte es sich aber um keinen Geringeren als Johannes Brahms.

 

Als 1876 Franz Fiedler starb, übernahm Sohn Albert Fiedler die Firma. Der Siegeszug des Klaviers als echtes „Volksinstrument“ begann Ende des 19. Jahrhunderts als Albert Fiedler mit seiner Frau Paula das Geschäft wesentlich ausbaute. Er war es auch, der 1883 nach mehrmaligem Lokalwechsel die heutigen Geschäftsräume in der Bel Etage am Eisernen Tor II bezog – das Parterre galt damals als nicht vornehm genug.

 

Am 22. November 1897 erfolgte die Verleihung des Ehrentitels „K u. K Hoflieferant“. Damals eine hohe Auszeichnung, heute eine schöne Erinnerung. Ebenso verkehrten berühmte Gäste im Klaviersalon Fiedler wie z.B. Leo Slezak, Guido Peters, Moritz Rosenthal, Frau Poldi Mildner, Peter Rosegger, Emil Sauer und viele andere.

 

Albert Fiedler’s ältester Sohn Albert trat als erster von drei Kindern in die Firma ein. Er war ein sehr guter Cellist und spielte unter Richard Strauss in vielen Konzerten. Kammermusik war damals sehr beliebt und in einigen Quartettvereinigungen waren Albert Fiedler sen. und sein Sohn als Cellisten tätig. Ehrungen wie z.B. „Kaiserlicher Rat“ 1911 und eine Ehrenmitgliedschaft im steirischen Tonkünstlerverein folgten.

 

In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg erreichte der Handel mit fabriksneuen Instrumenten seinen Höhepunkt, 250 bis 300 Instrumente wurden pro Jahr verkauft. Richard Fiedler hatte seit 1908 das Klaviermacherhandwerk in bekannten Wiener Klavierfabriken gelernt und war Klavierbaumeister und als gerichtlich beeideter Sachverständiger tätig. Bis ins hohe Alter betreute er Instrumente in Konzertsälen und bei Beistellungen, weil auch viele Pianisten wie zB Wilhelm Backhaus auf seine persönliche Betreuung bestanden.

 

Die Einbußen des 1. Weltkrieges waren gut überstanden. Marken wie Bösendorfer, Steinway, Blüthner, Bechstein und Förster wurden durch das Klavierhaus Fiedler vertreten. 1939 starb Albert Fiedler sen. . Während Albert jun. und Richard Fiedler Kriegsdienst leisten mussten, führten Schwester Auguste Marcovich und Richards Ehefrau Hildegard Fiedler das Geschäft. 1924 kam Gerhard Fiedler als Sohn von Richard zur Welt, der nach seiner Kriegsgefangenschaft 1947 sofort in die elterliche Firma eintrat. (Gerhard ist der Sohn von Richard und Grete Fiedler geb. Teischinger.) Sein Vater Richard war ihm ein sehr strenger Lehrherr. 1949 heiratete Gerhard seine Frau Elfriede Weissenstein, die ihm 1950 Sohn Peter schenkte.

 

Gerhard Fiedler besuchte 1952 die Klavierbaufachschule in Ludwigsburg, war 1954 Volontär bei Bösendorfer in Wien und 1957 bei Steinway in Hamburg. Im gleichen Jahr noch schloss er seine Wanderjahre mit der Meisterprüfung ab.

Der Betrieb wurde größer durch die Zahl der Beschäftigten und bildete damals ständig Lehrlinge aus. Gerhard Fiedler konzentrierte sich von nun an auf Reparaturen und auf die Betreuung vieler öffentlicher Institutionen und Musikschulen sowie Privatkunden vom Burgenland über Kärnten bis Osttirol.

1964 übernahm Gerhard Fiedler die Firma zur Gänze, wenn auch Richard und Albert noch viele Jahre bei den täglichen Arbeiten behilflich waren.

In dieser Zeit entstand auch die erste Verbindung mit einem der größten Klaviererzeuger der Welt, der Firma Kawai.

 

Sohn Peter trat 1969 nach Absolvierung der Schulen in die Firma ein. Auch er besuchte fachliche und verkaufstechnische Schulungen bei Bösendorfer, Schimmel in Deutschland und Kawai in Japan. In dieser Zeit entwickelte sich eine Partnerschaft zwischen Vater und Sohn: Peter Fiedler übernahm Ein- und Verkauf und gemeinsam arbeiteten die beiden mit Erfolg an der weiteren Entwicklung des Klaviersalons.

Verschiedenste Ämter für Gerhard Fiedler, wie z.B. Bundesinnungsmeisterstellvertreter, Vorsitzender in verschiedenen Gruppen der Wirtschaftskammer, die Ernennung zum Kommerzialrat sowie diverse Ehrungen von Land, Stadt und Wirtschaftskammer wären ohne seinen Fleiß und den seiner Vorfahren wohl nicht möglich gewesen und erfüllten ihn mit Stolz.

 

Bis zum heutigen Tag wurde der Betrieb immer in der Familie weitergegeben. Als 1981 Stephan Fiedler als Sohn von Peter und Elisabeth Fiedler geboren wurde, war die sechste Generation im Klavierhaus Fiedler gesichert.

 

Stephan Fiedler besuchte die Modellschule Graz, die er 1999 mit der Matura abgeschlossen hat. Er begann 2002 , einen Tag vor dem Tode seines Großvaters, im eigenen Betrieb das Handwerk des Klavierbauers zu erlernen, besuchte die Berufsschule in Wien und erhielt ebenso wie seine Vorfahren eine Ausbildung bei Bösendorfer. Er besuchte die Unternehmerakademie am WIFI 2003 und nach Absolvierung der Gesellenprüfung 2005 machte er auch die Lehrlingsausbildnerprüfung, Stephan Fiedler übernahm das Klavierhaus Albert Fiedler & Sohn 2004, nachdem sein Vater am 29. November 2004 verstarb.

 

2006 rief Stephan die Konzertreihe „Piano Forte“ ins Leben, bei der hochbegabte SchülerInnen der Universität und des Konservatoriums ihr Können unter Beweis stellen dürfen. Die karitative Veranstaltung kommt jedes Jahr einem Kind zugute, das mit Musik therapiert wird.

 

Nach wie vor betreut das Klavierhaus Fiedler neben einer Vielzahl von privaten Kunden in der Steiermark, im Burgenland und in Kärnten auch öffentliche Institutionen, wie beispielsweise die Grazer Oper, das Schauspielhaus, die Universität für Musik und darstellende Kunst mit seinen Außenstellen, das Johann-Joseph-Fux Konservatorium, das Landeskonservatorium in Klagenfurt und zahlreiche Musikschulen.